Depression ist mehr als nur Traurigkeit. Es ist ein täglicher Kampf ums Funktionieren, ein Ringen mit dem eigenen Wert, ein Leben im Treibsand. In diesem bewegenden Interview spricht ein Patient offen über seinen Suizidversuch, seinen Weg durch die Dunkelheit und die Methoden, die ihm halfen, von -2 auf +4 zu kommen – auf einer Skala von -10 bis +10.
Als Fachärztin für psychosomatische Medizin mit über 30 Jahren Erfahrung teile ich heute diese Geschichte, weil sie zeigt: Depression ist behandelbar. Der Weg ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Aber er ist gangbar.
Wenn Menschen über Depression sprechen, verwenden sie oft abstrakte Begriffe. Dieser Patient fand eine Metapher, die erschreckend präzise ist:
"Für mich war jeder Tag wie laufen durch den Treibsand, hüfthoch. Jeden Morgen aufstehen, wissen, was man zu tun hat und trotzdem seinen Wert in dieser Welt neu einschätzen."
Diese Beschreibung erfasst mehrere Dimensionen der Depression:
Was Kollegen und Vorgesetzte sehen:
Was sie nicht sehen:
Der Patient beschreibt es so:
"Ich war ein absolut unaustehlicher Mensch geworden, ich war bitterböse zu meinen Kollegen, ich habe meinen Verlobten unglaublich schlecht behandelt, völlig zu Unrecht."
Einer der größten Mythen über Depression lautet: "Wenn du nur richtig darüber nachdenkst, kannst du sie überwinden."
Dieser Patient war einer der reflektiertesten Menschen, die ich je behandelt habe. Er konnte genau analysieren:
Aber diese Reflektion half nicht. Sie verschlimmerte die Situation:
"Die Reflektion in dem Fall hat mir nur noch gezeigt, du bist tatsächlich so scheiße, wie du gerade denkst. Ich musste da auch tatsächlich lernen und dem auf den Grund gehen, warum ich überhaupt so denke."
Nach einem Suizidversuch kam der entscheidende Moment der Klarheit:
"Das war der Punkt, an dem ich wusste, diesmal werde ich im Gegensatz zu dem Suizidversuch das Ruder nicht mehr alleine rumreißen können."
Diese Erkenntnis ist lebensrettend:
Seine Schritte:
"War aber alles nicht das Wahre" – bis er die richtigen Methoden fand.
Studien zeigen, dass hochintelligente Menschen ein erhöhtes Risiko für Depression haben:
Gründe:
Dieser Patient verkörpert dieses Muster perfekt.
Der Emotion Code nach Dr. Bradley Nelson arbeitet mit kinesiologischen Muskeltests, um eingeschlossene Emotionen aufzuspüren und zu lösen.
Wie es funktioniert:
Die Erfahrung des Patienten:
"Es gab viele Schlüsselmomente, als bei anderen Gruppenteilnehmern Emotionen gelöst wurden und man eine Gänsehaut bekam. Ich konnte mir das mit meiner linken Hirnhälfte gar nicht erklären. Ich war verunsichert, war erschrocken."
Dann probierte er es selbst:
"Das war keine Kälte, das war eine Wärme. Die Kälte spürt die Umgebung, aber man selbst spürt die Wärme. Etwas hat losgelassen, eine Spannung hat sich gelöst und das war einfach toll."
Der Body Code geht über Emotionen hinaus und betrachtet:
Für diesen Patienten war die Kombination von Emotion Code und Body Code entscheidend.
EFT oder Klopftechnik beklopft bestimmte Akupunkturpunkte, um Stress zu reduzieren und Emotionen zu regulieren.
Seine Beschreibung:
"Unterschiedliche Klopftechniken waren auch sehr hilfreich, vor allem in Situationen, wo der Stress einfach so überwältigend ist, dass man wieder in diese ganz kleine, schwarze, dunkle Welt verfällt."
Die Wirkung:
"Da sich wieder rauszuholen, das lernt man tatsächlich auch hier und das ist etwas, was einem wirklich diesen Strohhalm gibt, der einen dann aus dem Sumpf der Verzweiflung einfach rauszieht."
Wissenschaftliche Belege für EFT bei Depression:
Alle drei Methoden haben gemeinsam:
Die größte Hürde für diesen Patienten war nicht die Methode – es waren die Menschen.
Seine Ausgangssituation:
"Menschen an sich, ein einzelner Mensch hat mich schon unglaublich genervt, größere Menschenansammlungen waren absolut undenkbar in diesem Moment."
Und ich schlug ihm Gruppentherapie vor.
Seine Reaktion: Massive Skepsis.
"Aber in die Gruppe zu kommen, auch wenn es sehr viel Überwindung gekostet hat, auch wenn die Anwendung von den Methoden, die beigebracht werden, irgendwie suspekt wirkte, habe ich mich darauf eingelassen."
"Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, deine Bedenken sind unbegründet, lass es passieren."
Was in der Gruppe geschah:
Das Ergebnis:
"Das hat mich so dermaßen davon überzeugt, dass unsere Gruppensitzungen nach wie vor so ein richtiges Wochenhighlight für mich sind."
Von "Menschen nerven mich" zu "Gruppensitzungen sind mein Wochenhighlight" – das ist eine fundamentale Transformation.
Die therapeutischen Faktoren der Gruppentherapie:
In meiner Praxis arbeite ich mit einer einfachen, aber effektiven Skala:
-10: Schwerste Depression, suizidal, nicht funktionsfähig -5: Schwere Depression, massive Einschränkungen 0: Neutral, weder depressiv noch glücklich +5: Stabil positiv, Lebensfreude +10: Anhaltend glücklich, erfüllt
"Ich war auf einer minus zwei."
Was bedeutet -2?
Für jemanden, der einen Suizidversuch hinter sich hatte, war -2 bereits ein Fortschritt – aber noch weit von Stabilität entfernt.
"Jetzt bin ich auf einer stabilen vier."
Was bedeutet +4?
Der entscheidende Begriff: "stabil"
Nicht nur +4 erreicht, sondern stabil +4. Das bedeutet:
"Ich spüre da immer noch mehr Potenzial nach oben und ich freue mich darauf, dieses Potenzial tatsächlich auszuschöpfen."
Diese Aussage ist Gold wert.
Warum?
Seine klare Botschaft:
"Gebt euch nicht auf. Erwartet aber auch keine sofortige Wunderheilung, die wird nicht existieren, die passiert nicht einfach so."
Warum diese Warnung so wichtig ist:
In unserer Instant-Gratification-Kultur erwarten viele:
Die Realität: Depression ist komplex. Sie hat sich über Monate oder Jahre entwickelt. Sie löst sich nicht über Nacht.
"Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon. Und wie bei einem Marathon gilt hier auch Ausdauer."
Was ein Marathon bedeutet:
"Sich darauf einlassen und glaubt mir..."
Dieses "Sich darauf einlassen" ist der Schlüssel:
Was es bedeutet:
Der Patient hatte alles dagegen:
Aber er ließ es zu. Und das machte den Unterschied.
Seine Worte:
"Depressionen sind mit sehr vielen Stigmata belastet und wir sollten offen darüber reden können. Auch mit Kollegen, auch mit eurer Verwandtschaft."
Die häufigsten Stigmata bei Depression:
Statistiken:
Was offenes Sprechen bewirkt:
Sein Appell: "Öffnet euch, öffnet euch für eine Gruppe oder generell für eine Psychotherapie, das wird euch guttun und das wird euch im Leben sehr viel weiterhelfen."
Für Führungskräfte:
Achtsame Ansprache: "Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit anders wirkst. Wie geht es dir wirklich?"
Keine Diagnosen stellen: "Ich mache mir Sorgen um dich" – nicht "Du bist depressiv"
Ressourcen anbieten: Betriebsarzt, EAP (Employee Assistance Program), externe Beratung
Für Kollegen:
Präsent sein: Auch wenn die Person zurückweisend wirkt – Angebote machen
Nicht bewerten: "Ich verstehe, dass es gerade schwer ist" – nicht "Aber du hast doch alles"
Konkret werden: "Kann ich dich zur Therapie begleiten?" – nicht nur "Sag Bescheid, wenn du was brauchst"
Wenn die "kleine, schwarze, dunkle Welt" zurückkommt:
Die Basis-Klopfsequenz:
Wiederhole, bis die Intensität sinkt.
Wöchentliche Routinen:
Tägliche Praktiken:
Monatliche Reflexion:
EFT (Emotional Freedom Technique):
Emotion Code:
Die Perspektive des Patienten: "Ich konnte mir das mit meiner linken Hirnhälfte gar nicht erklären" – aber die körperliche Erfahrung überzeugte ihn.
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Dieser Patient: "Ich bin zum Psychiater gegangen, ich habe Psychopharmaka bekommen, war aber alles nicht das Wahre."
Für ihn waren die Psychopharmaka nicht ausreichend – aber sie waren Teil seines Weges.
Allgemein gilt:
Von -2 auf +4 dauerte bei diesem Patienten einige Monate.
Realistische Zeitrahmen:
Wichtig: "Ich bin noch nicht ganz gesund" nach Monaten ist normal und okay.
Die Antwort dieses Patienten:
"Verschiedene Methoden ausprobieren."
Er probierte:
Nicht jede Methode funktioniert bei jedem.
Wenn etwas nicht hilft:
Von -2 auf +4.
Vom Suizidversuch zum "Wochenhighlight Gruppentherapie".
Von "Menschen nerven mich" zu "Ihr werdet Menschen begegnen, die euch verstehen".
Von "Ich bin so scheiße" zu "Ich spüre Potenzial nach oben".
Das ist der Weg aus der Depression.
Nicht spektakulär. Nicht über Nacht. Nicht ohne Rückschläge.
Aber real. Messbar. Hoffnungsvoll.
Seine drei wichtigsten Botschaften:
Meine Ergänzung als Therapeutin:
Depression ist behandelbar. Du bist nicht allein. Es gibt Wege, auch wenn sie unkonventionell erscheinen. Von -2 auf +4 ist möglich.
Und das ist erst der Anfang.
Hilfe in Krisen:
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ÜBER DIE AUTORIN

Dr. med. Dipl. Päd. Isa Bittel
Dr. Isa Bittel ist Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In vier Jahrzehnten hat sie einen einzigartigen ganzheitlichen Ansatz entwickelt, der psychosomatische Grundversorgung mit präzisen Laboruntersuchungen und gezielten Unterstützungsmaßnahmen kombiniert.
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Dr. Isa Bittel
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